Einsatzleitung gibt Entwarnung: Nur noch einzelne Glutnester

06 June 2019

Published by https://www.rbb24.de


GERMANY/GFMC – Vom Großbrand auf dem Gelände des ehemaligen Truppenübungsplatzes bei Jüterbog (Teltow-Fläming) sind nach mehreren Regenfällen am Donnerstagabend nur noch einzelne Glutnester übrig geblieben. Das teilte der Einsatzleiter des Landkreises Teltow-Fläming, Tino Gausche, am späten Abend dem rbb mit.

“Der Regen hat uns jetzt hier deutliche Erleichterung gebracht”, so Gausche. Insbesondere der zweite Regenschauer am Abend habe die Flammen auf der Brandfläche gelöscht. “Wir haben einzelne Glutnester noch, doch im Großen und Ganzen können wir hier zum jetzigen Zeitpunkt Entwarnung geben”, sagte Gausche rbb24.

Abzug von Rettern nach Streit um Munitionsbelastung

Die Löscharbeiten auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz hatten sich am Donnerstag schwierig gestaltet und lange hingezogen. Dabei hatte sich der Brand auf eine Fläche von gut 800 Hektar ausgebreitet. Ein kurzer Regen am Nachmittag brachte zunächst nur wenig Entspannung für die Einsatzkräfte.

Die Einsatzkräfte standen auf dem Gelände wegen der Munitionbelastung vor besonderen Herausforderungen – die dann am Nachmittag auch noch für Streit sorgten. Der Bürgermeister von Jüterbog, Arne Raue, zog die 14 Feuerwehrleute der Stadt aus dem Einsatzgebiet ab. Die Situation für die Einsatzkräfte sei laut Raue wegen möglicher Reaktionen von Chemikalien im Boden zu gefährlich.

Der Landesfeuerwehrverband Brandenburg kritisierte die Entscheidung, die Feuerwehr ohne Abstimmung mit der Einsatzleitung unter Hinweis auf die Munition abzuziehen. Dies sei nicht nachvollziehbar. Schließlich heiße das, die anderen die Arbeit machen zu lassen, sagte Verbandspräsident Werner-Siegwart Schippel. Man lasse seine Kameraden nicht im Stich.

Keine chemischen Gefahrstoffe

Nach Angaben des Landkreises sind seit Donnerstag Experten des Kampfmittelräumdienstes mit Messtechnik vor Ort. Dessen Leiter Peter Ewler erklärte, es sei auszuschließen, dass sich uranangereicherte Munition auf dem Gelände des ehemaligen Truppenübungsplatzes befinde. Diese Munition sei nach Kenntnis des Dienstes dort nicht verschossenen worden.

Vor Ort war nach Angaben des Erinsatzleitung des Landkreises auch die “Analytische TaskForce” (ATF) des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: “Die ATF war mit einem Messwagen präsent, der mit einem Fernerkennungssystem über große Entfernungen chemische Gefahren ausmachen kann.” Bei den Untersuchungen seien keine chemischen Gefahrstoffe nachgewiesen worden.

Großgefahrenlage: Kreis übernimmt Einsatzleitung

Der Landkreis Teltow-Fläming hatte das Feuer am Donnerstag als Großschadenslage eingestuft und die vollständige Einsatzleitung übernommen. Kreisbrandmeister Gausche sprach von einer “einmaligen Dimension” des Feuers. Das habe man so noch nicht gehabt, sagte er. Das Brandgebiet hatte sich da auf rund 800 Hektar ausgebreitet. Es ist der größte Waldbrand in Brandenburg seit Jahrzehnten. Die weitere Entwicklung der Lage im Waldbrandgebiet hänge nun weiter stark vom Wetter ab.

Am Donnerstagnachmittag zog dann ein Gewitter mit 15 Minuten Starkregen durch das Gebiet, doch die Niederschlagsmenge reichte nicht aus, um die Brandbekämpfung entscheidend zu unterstützen. Ein Feuerwehrmann sprach vom berühmten “Tropfen auf den heißen Stein”. Die Einsatzleitung des Landkreises teilte mit, dass der Regen für “etwas Entspannung” gesorgt habe. Am späteren Abend kam es dann allerdings zu weiteren Schauern, die die Lage deutlich entspannten und einen Großteil der Flammen löschten.

Bergepanzer sollen Schneisen schlagen

Nach Angaben der Kreisverwaltung Teltow-Fläming kämpfen bis zum Donnerstagabend insgesamt rund 180 Einsatzkräfte mit 55 Fahrzeugen gegen die Flammen bei Frankenförde. Zwei Löschhubschrauber der Bundespolizei und ein Bundeswehr-Hubschrauber waren im Einsatz, die Einsatzleitung hatte zudem einen weiteren Löschhubschrauber der Bundespolizei angefordert.

Laut Einsatzleitung waren zuletzt auch zwei Bergepanzer angefordert worden, die Schneisen schlagen sollte

Feuerwehrverband fordert Test von Löschflugzeugen

Der Landesfeuerwehrverband Brandenburg hatte sich am Donnerstagmorgen im rbb für einen Feldversuch mit Löschflugzeugen ausgesprochen, um die Waldbrände zu bekämpfen. Verbandspräsident Werner-Siegwart Schippel sagte im Inforadio, er sei dafür, ein solches Flugzeug “von jenseits der Alpen” anzufordern – “und dann einfach mal ausprobieren, wie die Wirkung ist”. Innerhalb des Deutschen Feuerwehrverbandes sei das Thema aber umstritten, räumte Schippel ein.

Er forderte außerdem den Bund auf, die Freiwilligen Feuerwehren stärker zu unterstützen. “Es wird zunehmend schwieriger, weil die Belastung letzten Endes steigt”, sagte der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes. “Das betrifft sowohl die Kameradinnen und Kameraden, aber auch die Arbeitgeber.” Die Freistellung der freiwilligen Feuerwehrleute von ihren regulären Arbeitsplätzen müsse bundesweit geregelt werden.

Feuerökologe: Landschaft brennbarer geworden

Der Feuerökologe Johann Georg Goldammer vom Global Fire Monitoring Center kritisierte auf Radioeins, in Brandenburg seien aus der absehbar steigenden Waldbrandgefahr nicht die richtigen Schlussfolgerungen gezogen worden.

Bei den Flächen, die nun brannten, habe es sich um Standorte gehandelt, die früher intensiv bewirtschaftet oder durchs Militär genutzt worden sind. Anschließend habe sich die Landschaft verändert, sie sei brennbarer geworden. “Auf diese Situation haben wir seit vielen Jahren hingewiesen und auch Konzepte erarbeitet. Passiert ist relativ wenig”, so Goldammer. Noch 2016 habe es von der Brandenburger Landesregierung geheißen, es gebe keinen Handlungsbedarf.

Brand in Hennickendorf konnte gelöscht werden

Laut Umweltministerium war das Feuer bei Jüterbog der größte Waldbrand in Brandenburg seit der Wende. “Größere Brände gab es nur in den 1970er Jahren”, sagte der Referatsleiter Wald und Forstwirtschaft im Ministerium, Carsten Leßner, am Mittwoch.

Ebenfalls im Landkreis Teltow-Fläming bei Hennickendorf, rund 30 Kilometer von Jüterbog entfernt, war am Montag ein weiterer Waldbrand ausgebrochen, der sich dann bis auf 60 Hektar ausgebreitet hatte. Dieses Feuer konnte die Feuerwehr in der Nacht zu Donnerstag löschen.

Im selben Landkreis brannten dann bei Altesorgefeld im Amt Dahme/Mark 20 Hektar auf munitionsbelastetem Gebiet.

 

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