“Brandstifter kann man kaum kontrollieren”

“Brandstifter kann man kaum kontrollieren”

12 February 2009

published by www.badische-zeitung.de


Australia — Noch immer kämpfen Hunderte Feuerwehrmänner in Australien gegen die Buschfeuer. Es sind die schwersten Brände in Australien seit 1983. Christoph Ries hat sich mit Johann Georg Goldammer, Professor für Feuerökologie in Freiburg, über die Ursachen für solche Brände und die Möglichkeiten, sich davor zu schützen, unterhalten.


Johann G. Goldammer, Waldbrand-Experte vom Global Fire Monitoring Center, Uni Freiburg | Foto: privatBZ: Herr Goldammer, überrascht Sie das Ausmaß der Waldbrände in Australien?
Goldammer: Nein. Die Australier haben ja schon vor knapp einer Woche vor einem erhöhten Risiko vor Waldbränden gewarnt. Das zeigt, dass sie selbst wussten, welche Situation auf sie zukommt. Insofern waren wir nicht überrascht – und die Australier waren es auch nicht.

BZ: Warum gab es trotzdem so viele Tote?
Goldammer: Wir müssen aufpassen: Australien ist zusammen mit den USA weltweit die Nummer eins im Feuer-Management. Offenbar sind die Besten der Welt nicht mit den Feuern klargekommen. Das ist Fakt. Tatsache ist auch, dass es eine Frühwarnung gab. Über viele Wochen hatte sich eine Trockenheit ausgebreitet. Auch die Wetterlage sprach dafür, dass es schwierig werden würde. Eigentlich wussten alle, was kommen würde.

 

BZ: Gibt es vor diesem Hintergrund überhaupt einen Schuldigen? Oder muss man solche Brände als Folge des Klimawandels annehmen?
Goldammer: Die Klimaerwärmung ist nur ein Teil des Problems. Waldbrände unterscheiden sich von anderen Naturkatastrophen. Einen Zyklon kann man nicht verhindern, auch eine Tsunami nicht. Aber die meisten Feuer werden weltweit durch den Menschen verursacht – nicht durch Blitzeinschläge. Der Klimawandel hat aber dazu geführt, dass über Wochen und Monate das Gebiet um Melbourne ausgetrocknet ist. Dazu kommt der extrem starke Wind an einzelnen Tagen. Wenn das alles zusammenkommt, braucht es nur noch eine Zündquelle. Das war in Australien zum Teil der Mensch. Diese kriminellen Brandstifter kann man kaum kontrollieren – auch nicht durch Prävention.

BZ: Wie sollte man dann in Zukunft mit der Gefahr solcher Brände umgehen? Gibt es einen Schutz?
Goldammer: In der Fachwelt wird immer wieder der Einsatz des kontrollierten Feuers diskutiert. Dabei werden Ökosysteme wie die im Süden Australiens, die übrigens vom Feuer abhängig sind, unter Bewachung abgebrannt. Diese Feuer haben eine geringe Intensität, sie vernichten das überflüssige, brennbare Material und helfen dem Wald, sich zu erholen. Dadurch sinkt die Gefahr von Mega-Feuern, wie momentan in Australien. Eine andere Möglichkeit wäre, Schutzräume einzurichten, in die die Menschen fliehen könnten.


Noch immer brennt es im australischen Busch. Foto: BZ/AFP


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