DFNK Projekt A2:Einleitung

Ansätze zur Waldbrandmodellierung in Kiefernbeständen

 Marco Hille


Diskussion

Die Komplexität bewaldeter Ökosystemeund die Vielzahl an, sich zum Teil gegenseitig beeinflussende, Variablen machendie Modellierung eines Waldbrandes zu einer schwierigen Aufgabe. Schon Mißbach(1973) berichtet von mehr oder weniger erfolglosen Versuchen seiner russischenKollegen, Feuer im Wald in mathematische Gleichungen zu fassen (Sofronow 1965).Das in den USA entwickelte Feuermodell BEHAVE, ein Ansatz, das aufphysikalischen Feuergrundlagen aufbaut, war das erste zuverlässige und relativeinfach zu bedienende Instrument zur Vorhersage des Feuerverhaltens.
Aufgrund der in dieser Arbeit durchgeführten Untersuchungen kann davonausgegangen werden, dass es möglich ist, BEHAVE auch unter deutschen undmitteleuropäischen Verhältnissen erfolgreich zu verwenden. Leichte Anpassungenan die hiesigen Bedingungen ermöglichen eine treffgenaue Vorhersage desFeuerverhaltens. Trotz einer hohen Inhomogenität der Versuchsbestände undVariabilität der Wetterbedingungen am Brandtag gelang es, das Modell an diebeobachteten Parameter anzupassen. Sowohl die Ausbreitungsgeschwindigkeit als auch dieFlammenlänge wurden ausreichend genau beschrieben. Gedacht wird an eineVerwendung bei Forstbehörden oder Feuerwehren, eventuell auch in GeographischenInformationssystemen und mit einer automatisierten Wetterdatenbeschaffung und-bearbeitung.
Nun wurde in dieser Arbeit „lediglich“ eine Waldgesellschaft behandelt, dazunoch in einer bestimmten Struktur angeordneten Baumholz. Von vielen weiteren,feuergefährdeten Waldgesellschaften in unterschiedlichen Altersstadien ist nurmarginales Wissen vorhanden und eine weitergehende Untersuchung notwendig.Bedenkt man allein die unterschiedlichen Strukturen in Kiefernbeständen derverschiedenen Altersklassen ist hier noch riesiger Forschungsbedarf vorhanden.So wäre z.B. die Modellbildung für die besonders gefährdeten Kieferndickungenwichtig, diese Erkenntnisse könnten genutzt werden, um etwa waldbaulicheGegenmaßnahmen zu entwickeln.
Unter dem Hintergrund der zunehmend zu beobachtenden Vergrasung vielerKiefernbestände durch Stickstoff- und Kalkeintrag (Heinsdorf 1993, Bergmann1993) sind die vorliegenden Beobachtungen beängstigend. Gras und abgestorbeneGrasreste waren die Hauptträger der Feuerfront und auch verantwortlich füreine schnellere Ausbreitung und größere Länge der Flammen. Dabei können diehier verwendeten Versuchsparzellen in Bezug auf ihre Vergrasung eher als„schwach“ bis „moderat“ bezeichnet werden, besser nährstoffversorgteund daher stark vergraste Standorte reagieren wahrscheinlich noch intensiver aufFeuer.
Dem Wind als treibender Faktor der Flammen kommt eine besondere Bedeutung zu.Geringere Windgeschwindigkeiten resultierten in einer langsameren Ausbreitungder Feuerfront. Aus dieser Sicht bekommen waldbauliche Maßnahmen wie z.B.Unter- und Voranbauten oder dichten Waldrändern eine große Bedeutung, da siedie bodennahe Windgeschwindigkeit erheblich abbremsen.
Es sei aber auch angemerkt, dass Waldbrandforschung, wie sie hier dargestelltwurde, sehr vorbereitungs- und planungsintensiv ist und nicht viele Waldbesitzerbereit sind, ihre Bestände für solche Experimente, die meisten nicht zerstörungsfreidurchgeführt werden können, zur Verfügung zu stellen.
Angesichts der zu erwartenden Klimaveränderungen, die auch unsere Wälderbetreffen werden, ist es aber dringend nötig, sich verstärkt dem ThemaWaldbrand zu stellen und, ähnlich wie bei der Baumartenwahl, Antworten auf sichin Zukunft stellende Fragen parat zu haben.


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