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Feuerökologen arbeiten mit “faszinierendem Element”

 

SchwäbischesTagblatt, 13.10.2003


FREIBURG. Kenia, Birma, Mongolei – die Freiburger Feuerökologen kommen in der Welt herum. Aber mehr noch als um die Bekämpfung geht es ihnen um die Vorbeugung.

“Feuer ist ein überaus faszinierendes Element”, sagt Johann Goldammer, “man könnte fast sagen, dass es süchtig macht.”Nur gut, dass diese Leidenschaft des 53-Jährigen in vernünftigen beruflichen Bahnen mündete: Er ist Leiter der Arbeitsgruppe Feuerökologie am Max-Planck-Institut für Chemie in Freiburg. Die vier Feuerökologen sind in der ganzen Welt unterwegs und werben für den richtigen Umgang mit dem Element Feuer.

Nach den verheerenden Waldbränden in diesem Sommer fordern die Experten eine stärkere Prävention. “Es ist notwendig, dass in den vorbeugenden Brandschutz deutlich mehr Geld als bisher investiert wird”, sagt Goldammer. Gefordert sei vor allem die Europäische Union. In besonders gefährdeten Waldgebieten sollten Brandbarrieren eingerichtet werden. “Das sind Flächen von 300 bis 400 Meter Breite, die landwirtschaftlich genutzt werden”, erklärt der Forstwissenschaftler. Solche Schneisen könnten verhindern, dass sich ein Waldbrand unkontrolliert ausbreite.

Die Arbeitsgruppe ist als “Global Fire Monitoring Center” an der Universität Freiburg angesiedelt. Sie verfügt über Korrespondenten und Partner in mehr als 70 Ländern. Da Deutschland kein klassisches Waldbrand-Land ist, haben sich die Wissenschaftler lange Zeit vor allem auf Lateinamerika und Asien konzentriert. In den vergangenen Jahren hatten sie aber immer öfter in Deutschland zu tun: In der Lausitz südlich von Berlin wurden 2001 und auch in diesem Jahr unter wissenschaftlicher Beobachtung Waldparzellen abgebrannt, um das Ausbreiten des Feuers zu studieren.

Ein weiteres Projekt gab es im Kaiserstuhl, wo Rebböschungen in Brand gesetzt wurden. Nach Fortbildungen haben die Winzer das heiße Geschäft jetzt selbst übernommen: Kontrolliertes Abbrennen einzelner Flächen sei das beste Rezept gegen unkontrollierte Großfeuer, sagt Goldammer.

Die Gruppe arbeitet mit den Vereinten Nationen zusammen, ist aber unabhängig. Einigen Staaten falle es leichter, die Experten aus dem Breisgau um Hilfe zu bitten als die Vereinten Nationen: “Das käme für manch ein Land einem Gesichtsverlust gleich.” So waren die Freiburger Feuerökologen bei Sumpfbränden in Vietnam ebenso im Einsatz wie in Birma, obwohl gegen das asiatische Land ein Embargo wegen Menschenrechtsverletzungen verhängt worden war. Für die Wissenschaftler war es dennoch keine Frage, dass sie dort helfen: “Die Bevölkerung und der Wald haben Vorrang vor politischen Entscheidungen.”

 

Veröffentlicht ebenfalls im Tropenwaldnetzwerk.
http://www.tropenwaldnetzwerk-brasilien.de/aktuell/news/news.intern.200310132/


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