Pressemitteilung

Pressemitteilungdes Global Fire Monitoring Center (GFMC) und des

 Deutschen Komitees fürKatastrophenvorsorge (DKKV)

Waldbrände(“Christmas Fires”) in Australien:

Ausdruckeines gesellschaftlichen Wandels und erhöhter Vulnerabilität

Freiburg, den 3. Januar 2002


Das Global Fire Monitoring Center (GFMC), das als Zentrum für Globale Feuerüberwachung mit Mitteln der Katastrophenvorsorge des Auswärtigen Amtes am Max-Planck-Institut für Chemie im Jahr 1998 aufgebaut wurde und im Vorstand des DKKV vertreten ist, teilt zur Lageeinschätzung der Wald- und Buschbrände (Christmas Fires) in Australien mit:

In Australien, in der Fachwelt auch als “Feuer-Kontinent” bezeichnet, sind Feuerpraktiken der Ureinwohner (Aboriginals) und daraus entstandene Vegetationsbrände für die letzten 60,000 Jahre nachgewiesen. Waldgesellschaften und die Savannen- bzw. Buschvegetation, die unter Anderem aus über 500 Eukalyptus-Arten gebildet werden, weisen ausgesprochen starke Anpassungen an Feuer auf. Neben der Feuertoleranz und Regenerationsfähigkeit nach Feuer sind diese Ökosysteme auch durch hohe Brennbarkeit charakterisiert, verursacht u.a. durch in der Vegetation enthaltene ätherische Öle. Die Kombination dieser Merkmale machen die Eigenschaften eines Feuerökosystems aus. Im Zweijahreszeitraum zwischen 1998 und 2000 brannten insgesamt 345,000 Feuer auf einer jährlichen durchschnittlichen Brandfläche von mehr als einer halben Million Quadratkilometer. In den Mittelmeerländern brennen vergleichsweise 6000 Quadratkilometer Busch- und Waldland pro Jahr, in Deutschland werden jährlich zwischen fünf und zehn Quadratkilometer Waldbrände registriert.

Meldungen über die in der freien Naturlandschaft Australiens regelmäßig vorkommenden Brände finden selten Eingang in die Medien und das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Die “Weihnachtsfeuer” dieser Tage erinnern an die “Aschermittwochsfeuer” (Ash Wednesday Fires) von 1983, die während der durch den starken El Niño von 1982-83 bedingten Trockenheit auftraten, hinterließen 2539 verbrannt Häuser, mehr als 300,000 Stück verbranntes Vieh (Schafe, Rinder) und forderten 75 Menschenleben. Die Beeinträchtigung der menschlichen Gesundheit durch Rauchbelastung (Einatmen von Rauchpartikeln) wurde 1993 noch nicht thematisiert, ist aber Gegenstand der Besorgnis seit den 90er Jahren und vor allem auch in der gegenwärtigen Feuersituation.

Die australischen Städte, vor allem Sydney, haben sich in den letzten Jahren mehr und mehr in die umgebende Naturlandschaft ausgeweitet. Siedlungen werden vorzugsweise in Baum- und Buschland errichtet. Ähnlich wie in den sich immer stärker in die Naturlandschaft ausdehnenden Vorstädte der amerikanischen Metropolen sind die australischen Stadtrandbezirke in diese Feuerökosysteme eingebettet. Vorschriften oder Empfehlungen der Absicherung der Häuser und Gärten oder feuerangepasste Bauweise – es dominieren weiterhin Holzbauten – werden nur unzureichend umgesetzt. Die Gefährdung der Siedlungen durch Buschbrände wird durch die Unachtsamkeit beim Umgang mit Feuer und durch Brandstiftung erhöht.

Die Weihnachtsfeuer von 2001/2002 zeigen, dass die Kombination aller genannten Umstände zu einer hohen Gefährdung von Siedlungen, Wirtschaftsgütern und Menschenleben führen. Die am 1. Januar gemeldete Ausdehnung der gesamten Feuerfront auf zeitweise mehr als 1300 Kilometer Länge lässt schließen, dass selbst die gut ausgebildeten und hoch motivierten professionellen und freiwilligen Firefighter die Situation nicht unter Kontrolle bringen können.

Die Weihnachtsfeuer zeigen deutlich auf, dass die Vulnerabilität bzw. Anfälligkeit gegenüber extremen Naturereignissen zunehmend steigt. Die letzten fünf Jahre haben in allen Vegetationszonen der Erde vergleichbare große Dimensionen erreicht – die Feuer- und Rauchepisoden in Südostasien und im tropische Amerika 1997-98, im fernen Osten Sibiriens 1998, im Westen der USA im Jahr 2000 sind Beispiele hierfür.

Die Vorsitzendes des Deutschen Komitees für Katastrophenvorsorge, Frau Irmgard Schwaetzer, MdB, weist darauf hin, dass das Auswärtige Amt in Zusammenarbeit mit dem DKKV das in Freiburg angesiedelte Global Fire Monitoring Center unterstützt hat, für die Internationale Strategie für Katastrophenreduzierung (International Strategy for Disaster Reduction) der Vereinten Nationen ein weltweit operierendes System der Frühwarnung, Überwachung und Dokumentation von Feuer aufzubauen. Das GFMC vermittelt den Wissens- und Technologietransfer an Nutzer in den Verwaltungen und politischen Entscheidungsträger in einer Reihe von Einrichtungen der Vereinten Nationen und in einer großen Zahl von Ländern. Zusammen mit der Koordinationsstelle für humanitäre Hilfeleistung der UN sind weiterhin Vereinbarungen über den Informationsfluss bei internationale Hilfeleistung getroffen. In diesem Zusammenhang hat das GFMC die Entscheidungsträger in Australien in den vergangenen Tagen wiederholt auf die Kapazitäten der luftgestützten Waldbrandbekämpfung der Länder hingewiesen, in denen derzeit Winter herrscht und entsprechende Technologien – vor allem Flugzeuge – brach liegen. Die Russische Föderation hat sich bereit erklärt, Feuerlöschflugzeuge nach Australien zu schicken. Bislang wurden derartige Hilfsangebote durch die australischen Dienststellen abgelehnt.

Das GFMC erstellt einen regelmäßigen Überblick über die Situation in New South Wales und weltweit. Die Information ist abrufbar unter:

http://www.uni-freiburg.de/fireglobe/


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